Braucht man Filter? – Gastbeitrag von Naturfotograf Radomir Jakubowski

Braucht man Filter? – Gastbeitrag von Naturfotograf Radomir Jakubowski

Autor und Fotograf: Radomir Jakubowski
Fotograf (Titelbild:) Stephan Amm

Oft werde ich gefragt ob ich Filter verwende und wenn ja, welche? Generell ist es so, dass man eigentlich nur noch 3 Arten von Filtern benötigt, den Polarisationsfilter, den Graufilter und den Grauverlaufsfilter. Alle anderen Filter könnt Ihr problemlos hinterher bei der Bildbearbeitung imitieren. Ist das Licht perfekt benötigt Ihr in der Landschaftsfotografie oft überhaupt keinen Filter. Leider ist das Licht aber selten perfekt, sodass Ihr doch öfter mal in die Filtertasche greifen müsst um zum passenden Ergebnis zu gelangen.

Lensinghouse

Lange Jahre habe ich den deutschen Filterhersteller Lensinghouse eingesetzt und unterstützt. Leider musste Lensinghouse schließen, weshalb ich nun teilweise auf NiSi umgestiegen bin. Wichtig Lensinghouse und NiSi sind voll zueinander kompatibel. (Also Lensinghouse Filter in NiSi Halter oder umgekehrt ist kein Problem) An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass ich noch ein komplettes Filtersystem für das Canon 4,0/11-24mm L zu verkaufen habe.

Das Filtersystem

Als Filtersystem verwende ich das Filtersystem von NiSi, das sind Filter der Größe 100mm. Die Verläufe sind entsprechend 100x150mm groß und die reinen Graufilter 100x100mm. Die Filter sind entsprechend kompatibel zu allen anderen Systemen mit 100mm Filtern und für Brennweiten bis zu 15/16mm sehr gut geeignet. Für noch kürzere Objektive mit gewölbten Frontlinsen gibt es entsprechende größere Spezialsysteme. Um das System zu verwenden, benötigt man generell vier Komponenten, einen Adapterring, ggf. einen Step-Down Ring, einen Filterhalter (bei mir NiSi V6) und einen Filter. Der große Vorteil eines solchen Systems ist, dass Ihr den Filter im Halter verschieben könnt und somit die Kante des Verlaufsfilter verschieben könnt. Dadurch gibt euch der Filter nicht vor, an welcher Stelle sich der Horizont befinden muss und das ist der große Vorteil gegenüber normalen Schraubfiltern.

Braucht man Filter? – Gastbeitrag von Naturfotograf Radomir Jakubowski
Der Nisi V6 im Praxiseinsatz beim Workshop auf dem Lusen im Bayerischen Wald.

Doch welcher Filter macht was?

Polfilter

Durch den Einsatz eines Polfilters könnt Ihr Spiegelungen von Oberflächen tilgen. Gerade nasse Oberflächen wirken dadurch deutlich gesättigter und farbenfroher. Um den Polfilter einzustellen müsst Ihr den Filter drehen und durch den Sucher schauen, um festzustellen, wann ihr die optimale Stellung des Filters gefunden habt. Dabei müsst Ihr selbst entscheiden welchen Grad an Spiegelungen der Polarisationsfilter filtern soll. Gerade bei Regen am Bach oder im Wald werden mit Hilfe des Polfilters Farben erzeugt, die man sonst kaum für möglich gehalten hätte. Für mich ein klares Muss und einer meiner meist genutzten Filter. Wichtig zu bedenken ist, dass der Polfilter die Verschlusszeit um 1-2 Blendenstufen verlängert.

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Über diese kleines Rädchen (rot markiert) könnt Ihr den Polfilter im Halter drehen.
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Mit Polarisationsfilter
Canon EOS 5DSR + Canon 4,5-5,6 100-400mm L IS II + NiSi Polarizer
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Ohne Polarisationsfilter
Canon EOS 5DSR + Canon 4,5-5,6 100-400mm L IS II + NiSi Polarizer

Graufilter

Der Graufilter ist eigentlich eine neutralgraue Scheibe die nur dazu dient die Verschlusszeit zu verlängern. Es gibt diesen in verschiedenen Stärken wie 0.3/0.6/0.9/0,9/1.8/3.0.
0.3 entspricht einer Blendenstufe, verdoppelt also die Verschlusszeit. Der 0.9fache entspricht entsprechend 3 Blendenstufen Licht und verachtfacht somit die Verschlusszeit. 1.8 entsprechen der 64-fachen Verschlusszeit und 3.0 der 1000-fachen Verschlusszeit. Der 64fache wird häufig Littlestopper bezeichnet und letzterer als Bigstopper. Diese Filter sind besonders Wirkungsvoll um Bewegungen in Bildern darzustellen, so wird bewegtes Wasser dadurch sehr weich, fast milchig und die Bewegung in schnell ziehenden Wolken wird deutlich dargestellt. Ich muss zugeben, dass ich mich dieser Filter seltener bediene und stattdessen Probiere zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein.

Grauverlaufsfilter

Der Grauverlauffilter dient dazu den Himmel abzudunkeln und somit den Helligkeitsunterschied von Himmel zur Erde zu verringern. Die Idee dahinter ist, dass Ihr den Dynamikunterschied reduziert, damit die Kamera das Bild korrekt darstellen kann, denn in der Regel ist der Himmel deutlich heller als die Erde. Den Grauverlauffilter gibt es wie auch den Graufilter in unterschiedlichen Stärken von einer bis zu vier Blendenstufen Stärke, also z.B.: 0.3/0.6/0.9.

FilterstärkeBlendenstufen
0.3Eine Blendenstufe
0.6Zwei Blendenstufen
0.9Drei Blendenstufen
1.2Vier Blendenstufen
1.5Fünf Blendenstufen

Zudem existieren diese Filter mit unterschiedlichen Verläufen, einem „Soft“ „Hard“ „Reverse“ und „Medium“ Verlauf. Softverläufe haben eine ganz weiche Kante, Hardverläufe eine harte Kante und Reverseverläufe weißen eine harte Kante auf, wobei der Filter nach oben hin nochmal heller wird. Seit neuestem gibt es auch noch Mediumverläufe, die irgendwo zwischen soft und hard anzusiedeln sind. Traditionell verwende ich die weichen Verläufe vorwiegend bei ungleichmäßigen Übergängen von Himmel zu Erde (wie Berge). Harte bei sehr ebenen Kanten (wie Meer) und die Reverse-Verläufe für Sonnenauf- und Untergänge. Durch den richtigen Filtereinsatz benötigt Ihr oft kaum Bildbearbeitung. Den klassischen Soften Verlauf setze ich inzwischen sehr selten ein und greife stattdessen lieber zum Medium Verlauf.

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Ohne Grauverlaufsfilter
Canon EOS 5DSR + Canon 4,0 16-35mm L IS 
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Mit Grauverlaufsfilter
Canon EOS 5DSR + Canon 4,0 16-35mm L IS + Nisi ND Grad Reverse 0.9 

Welche Filter solltet Ihr dabei haben?

Allgemein tue ich mir schwer eine Faustregel zu formulieren, was Ihr wirklich braucht, denn jeder Arbeitet anders.

Ich finde eine sinnvolle Einstiegskombination besteht aus:

  • Polfilter
  • Graufilter: 0.9 (3 Blendenstufen = 8-fache Verschlusszeit)
  • Graufilter: 1.8 (6 Blendenstufen = 64-fache Verschlusszeit)
  • Grauverlauffilter: 0.6 (2 Blendenstufen) mit harter Kante (Hard)
  • Grauverlauffilter: 0.9 (3 Blendenstufen) mit mittlerer Kante (Medium)
  • Grauverlauffilter 0.9 (3 Blendenstufen) als Reverse

Das ist eine sehr umfangreiche Kombination, mit der man im Alltag 95% aller Situationen meistern kann. Je nach Bedarf kann man diese mit einem weiteren 3.0 (1000-fache Verschlusszeit) Graufilter und weiteren Grauverläufen erweitern. Mein persönlicher Geheimtipp am Bach ist zusätzlich ein Nisi ND8 & CPL Filter, dieser wird leider nicht mehr hergestellt. Das ist eine Kombination aus 0.9er Graufilter (8-fache Verschlusszeit) und einem Polfilter. Der Filter ist sehr sehr dünn gebaut und lässt dank deutlicher Abdunkelung in der Regel auch tagsüber ausreichend lange Verschlusszeiten zu.

Filtermarke? = Nisi

Doch welche Filtermarke verwende ich nun und warum? Ich habe jahrelang auf Lee und SinghRay gesetzt sowie Cokin und HiTech. Zu diesen Marken würde ich heute persönlich nicht mehr greifen. Später kam Lensinghouse, mit denen ich noch heute arbeiten würde, gäbe es das Unternehmen noch. Letztes Jahr bin ich dann auf NiSi umgestiegen. Es sind hochwertige Glasfilter, die mit jeder Brennweite ein gutes Ergebnis liefern. Ich erwähne das, da viele Filterhersteller gerade mit Brennweiten über 50mm zunehmend schlechtere Qualität abliefern bis hin zur vollkommenen Unschärfe. Gerade Filter aus Kunststoff (Resin) haben hier oft massive Probleme.

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Filterhalter Nisi V6 eine ehrliche Meinung:

Ich setze auf den Nisi V6 Filterhalter. Dieser Filterhalter ist wirklich hervorragend verarbeitet und lässt sich perfekt einsetzten. Ihr könnt diesen leicht auf dem Adapterring arretieren und es gibt die Möglichkeit per Sicherungsschraube dafür zu sorgen, dass er nicht mehr gelöst werden kann. Dazu gibt es einen tollen Mechanismus den Polarisationsfilter direkt als ersten Filter einzusetzen. Gleichzeitig könnt Ihr den Polarisationsfilter über kleine Rädchen an der Rückseite des Filterhalters drehen. Das ist sehr gut durchdacht und toll verarbeitet.

Dennoch gibt es zwei Negativpunkte am Nisi V6 Filterhalter die ich euch nicht verheimlichen möchte, und zwar ist er an manchen sehr „fummelig“ der Polfilter ist sehr dünn und Bedarf einiges an Gefühl um in den Filterhalter eingeschraubt zu werden. Gleichzeitig gibt es einen Hauptadapterring in 82mm der mit Adapterringen auf kleinere Größen adaptiert wird. Das erfordert viel Fingerspitzengefühl ist aber gleichzeitig deutlich kostengünstiger für uns Fotografen. Ich persönlich hätte lieber Hauptadapterringe in allen Größen, auch wenn dies deutlich teurer wäre.

Polfilter und Grauverlaufsfilter:

Ich weiß, das ist ein Thema mit dem ich mich nicht beliebt machen werde. Viele wollen unbedingt die Option haben den Polfilter und den Grauverlaufsfilter gleichzeitig einsetzen zu können. Aber dies ist in den meisten Fällen schlichtweg Quatsch. Der Polarisationseffekt ist abhängig vom Winkel zur Sonne. Nehmt Ihr nun ein Weitwinkelobjektiv z.B. mein Canon EF 4,0 16-35mm L IS, hat dieses bei 16mm einen horizontalen Bildwinkel von 98 Grad. Das bedeutet der Winkel zur Sonne unterscheidet sich links im Bild stark von dem rechts im Bild. Dadurch entsteht die so genannte Teilpolarisation, da der Winkel zur Sonne im Bild sich an verschiedenen Stellen im Bild unterscheidet. Das Problem daran ist, dass der Himmel sehr unschöne unterschiedliche Blautöne bekommt. Das bedeutet Ihr könnt die Kombination aus Polarisationsfilter und Grauverlaufsfilter eigentlich nur benutzen, wenn der Himmel komplett bedeckt ist. Oder Ihr müsst dies aufwendig in der Bildbearbeitung beheben und die entsprechenden Bilder vor Ort aufnehmen.

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Hier seht Ihr die Teilpolarisation, der Himmel ist in der Mitte deutlich dunkler als an den Bildrändern.
Canon EOS 5DSR + Canon 4,0 16-35mm L IS + Nisi Polarizer + Nisi ND 1,8 Novoflex PRO75 + Novoflex Classicball 5 II 
+ Novoflex Q-Base II

Polfilter als Schraubfilter

Zu guter Letzt ist es mir sehr wichtig zu sagen, dass ich nach wie vor sehr gerne Pofilter als Einschraubfilter verwende. Den NiSi ND8&CPL habe ich mir vor Jahren insgesamt 5 Mal gekauft und insgesamt besitze ich die Polarisationsfilter in allen Größen die ich brauche und für jedes Objektiv. Der Grund ist einfach, ich fotografiere unglaublich gerne bei Regen vor allem an Bächen und im Wald und dann sind Steckfilter oft sehr unpraktisch. Ich schraube also den Polarisationsfilter gerne direkt aufs Objektiv und nutze die Streulichtblende als Regenschutz für die Frontlinse. Das führt dazu, dass ich die normalen Einschraubpolfilter nach wie vor sehr intensiv nutzte. Auch hier gibt es sehr gute Filter von NiSi. Ich nutze hier die normalen Nisi PRO Nano HUC C-PL.

UV-Filter

Na gut, mir fällt noch ein Punkt ein, über den ich sprechen möchte, UV-Filter. Ich weiß vielen trete ich damit auf den Schlips aber kein Mensch braucht UV Filter. UV Filter werden euch teuer als Schutzfilter verkauft und nützen nur dem Handel und dem Hersteller. Denn jedes Stück Glas verschlechtert immer die optische Konstruktion eures Objektives. Gleichzeitig versauen euch diese UV-Filter euren Sonnenstern komplett und sorgen für ein schlechteres Streulichtverhalten. Ich habe in einem unabsichtlichen Selbstversuch über die Jahre die Frontlinse meines Canon 2,8 24-70mm L II derart verkratzt, dass sie keine Vergütung mehr hatte und das Objektiv war optisch nach wie vor top. Letztes Jahr wurde dann im Zuge der Wartung auch die Frontlinse getauscht beim Canon CPS. Was ich sagen will ist, die Frontlinse für die meisten Objektive kostet kaum mehr als ein UV Filter und der UV Filter versaut euch gerne mal euer Bild. Ich kann den Einsatz von UV Filtern nur verstehen, wenn Ihr und euer Objektiv ständig mit Matsch (Motorcrossrennen) oder Farbkugeln (Paintball) oder ähnlichem beschossen wird.

Fazit

Wie Ihr merkt gibt es Filter die ich einsetze und Filter die ich nicht so gerne verwende. Einen Polarisationsfilter und die entsprechenden Grau- und Grauverläufe sind wirklich eine tolle Investition, die eure Bilder deutlich verbessern werden.

Bearbeitung der Vergleichsbilder

Die Vergleichsbilder sind nach Möglichkeit identisch bearbeitet, sprich ich habe probiert die Bilder ohne Filter genau so zu bearbeiten wie die mit Filter.

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Und ein Beispiel mit und ohne Polfilter. Diese Details in den Steinen durch den Polarisationsfilter sind unglaublich.
Canon EOS 5DSR + Canon 4,0 16-35mm L IS + Nisi Polarizer + Nisi ND 0,9
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… und ohne Polarisationsfilter
Canon EOS 5DSR + Canon 4,0 16-35mm L IS
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Hier ein weiteres Beispiel mit Polarisationsfilter und Graufilter.
Canon EOS 5DSR + Canon 4,0 16-35mm L IS + Nisi Polarizer + Nisi ND 0,9 
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Hier noch einmal ohne Filter.
Canon EOS 5DSR + Canon 4,0 16-35mm L IS

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