Filter in der Wetterfotografie – Gastbeitrag von Wetterfotograf Bastian Werner

Autor und Fotograf: Bastian Werner

Wie Ihr sicherlich wisst, gibt es bereits dutzende verschiedene Filtermarken und noch mehr professionelle und semiprofessionelle Fotografen, die dafür werben. Natürlich habe auch ich einen Filterhersteller als Partner. Dazu sei gesagt, dass ich mir diesen aus freien Stücken ausgesucht habe. Ich verwende aus diesem Grund NiSi Filter und habe von Haida als Partner zu NiSi gewechselt. Zuvor habe ich bereits Cokin und Lee Filter besessen. Auch mit B&W bin ich im Gespräch gewesen. Am Schluss ist es seit nun über zwei Jahren NiSi geworden.

Was ich Euch damit sagen möchte ist, dass ich mit diesem Beitrag niemandem aus Profitgründen eine Marke verkaufe, von der ich nicht selbst überzeugt bin. Ich konnte mir den Partner durch mein Können frei erwählen.

Wie sinnvoll sind Filter?

Wer bereits in einem meiner Fotoworkshops gewesen ist, wird von mir gehört haben, dass ich Filter nicht immer benutze. Besser gesagt, ich benutze sie für weniger als die Hälfte meiner Fotos. Dennoch finden sie Anwendung und sind während der Anwendung unersetzbar. Lasst Euch also von niemandem erzählen, dass man IMMER Filter braucht, aber auch nicht, dass man KEINE Filter braucht. Beides ist gleichermaßen falsch. Einzig das Motiv und das was Ihr daraus machen möchtet bestimmt über den Einsatz des Filters. Die Einsatzmöglichkeiten in der Wetterfotografie werden nachfolgend an Beispielen diskutiert.

Teure oder billige Filter?

Jedes Objektiv ist im Nanometerbereich perfektionierte Ingenieurskunst. Jede Linse und Beschichtung perfekt abgestimmt. Verwendet Ihr einen schlechten Filter, ist diese Abstimmung hinfällig. Eine zusätzliche brechende, reflektierende und streuende Fläche befindet sich im Strahlengang, den das Licht durch das Objektiv nimmt. Diese Eingangsfehler werden durch das Objektiv im schlechtesten Fall verstärkt. Euer Objektiv ist demnach so viel Wert, wie der daran verwendete Filter. Wenn Ihr teure Objektive besitzt, braucht Ihr gute Filter. Gute Filter sind teuer, aber auch nicht super teuer.

Ist doch nur Glas! Wieso so teuer?

Für den Laien mag ein Filter aussehen wie Glas. Plastik schließe ich gleich Mal aus, das braucht Ihr nicht zu kaufen. Wäre Plastik gut, gäbe es auch teure Objektive mit Plastiklinsen. Für den Laien mag sich auch der Preis nicht erschließen, wenn er einen Filter in der Hand hält. Handwerker wie auch Ingenieur weiß: Um so genauer, um so teurer. Licht ist sehr genau, die Wellenlänge liegt im Nanometerbereich. Aus diesem Grund muss auch die Filterscheibe perfekt plan sein, jede kleine Unebenheit oder Unparallelität der beiden Oberflächen würde das Licht falsch ablenken. Dann kommen Beschichtungen gegen Reflexionen hinzu, die gleichmäßig aufgedampft werden müssen im Reinraum und teilweise im Hochvakuum. Die Einfärbung des Glases muss zudem perfekt Farbneutral sein. All dies kostet eine Menge Geld. Filter halten bei richtiger Pflege Ewigkeiten. Sie sind ihr Geld wert.

Filtergewinde

Filtergewinde ist das Gewinde vorne an Eurem Objektiv, in das Ihr einen Filter einschrauben könnt. Der Durchmesser ist am Objektiv vermerkt. Dort kann man entweder Schraubfilter anbringen, oder eine Halterung für Steckfilter.

Steckfiltersystem oder Schraubfilter?

Das Steckfiltersystem ist das was Ihr Euch holen solltet. Wenn Ihr Filter verwenden wollt, kauft keine Schraubfilter. Schaubfilter passen immer nur an ein Objektiv. Es gibt Zwischenringe, die erlauben das man die Schraubfilter auf verschiedene Filterdurchmesser adaptieren kann. Dies ist jedoch nicht sinnvoll und viel umständlicher als Steckfilter und von mir nicht zu empfehlen. Die Steckfilter kosten in der Anschaffung mehr als ein vergleichbarer Schraubfilter, können aber problemlos auf verschiedene Objektive aufgesetzt werden. Wenn Ihr das System angeschafft habt, könnt ihr es mit der richtigen Pflege lange benutzen und müsst bei einem Verkauf/Neukauf von Objektiven nicht gleich alle Filter austauschen. Deshalb lieber etwas mehr Geld in die Hand nehmen.

Grauverlaufsfilter

Dieser Filter erfüllt den Zweck, dass entstehende Foto partiell abzudunkeln. Dies erzeugt der Filter, indem ein Teil der Intensität des einfallenden Lichts durch eine Trübung des Glases geschluckt wird. Dieser Filter kann zum Einsatz kommen, wenn der Himmel im Landschaftsfoto partiell abgedunkelt werden muss. Dies kann folgende Gründe haben:

  • Überbelichtung des Himmels vermeiden
  • Mehr Kontrast im Himmel
  • Dramatischer Effekt

Nun ist es so, dass es noch eine zweite Möglichkeit gibt diesen Effekt zu erzielen. Mit einem HDR Foto wird der Effekt der Überbelichtung auch aufgehoben. Der Vorteil des HDRs ist, dass der Himmel keinen Verlauf erhält sondern schön sauber in das Bild eingefügt wird. Der Nachteil ist, dass man mindestens zwei Fotografien zusammenfügen muss. Bewegen sich die Wolken und Bäume im Wind oder andere Objekte zwischen den einzelnen Aufnahmen des HDRs, können diese später nicht gut in Photoshop zusammengesetzt werden. Und hier ist auch das böse Wort der Naturfotografen: Photoshop. Es werden zwei Aufnahmen überlagert. Dies ist für Naturfotowettbewerbe zum Beispiel nicht erlaubt. Keine Kompositionen. Wenn also Bewegung und die Unlust auf Photoshop vorliegen, setzt man den Verlaufsfilter ein. In der Wetterfotografie ist dies der Fall bei:

  • Gewittern, die Wolken bewegen sich schnell
  • Abendrot/Morgenrot bei schnellen Wolken
  • Starken Windbewegungen im Motiv

Ich empfehle im Sortiment eines Wetterfotografen zunächst einen Verlaufsfilter, den ND1.2 soft. Mit diesem Filter habt Ihr einen starken Filter, der zugleich einen weichen Verlauf erzeugt und für fast alle Landschaften einsetzbar ist. Wenn Ihr das nötige Geld habt und nicht sonst wisst, wie Ihr Eure Ausrüstung erweitern könnt, gibt es noch unzählige, weitere Verlaufsfilter.

Abendrot mit NiSi Soft ND 1.2
Gewitterzelle mit NiSi Soft ND 1.2

Graufilter

Dieser Filter lässt sich nicht substituieren! Es gibt keine Möglichkeit den Effekt des Graufilters in der Bildbearbeitung zu erzielen. Er gehört deshalb in die Kameratasche eines jeden Fotografen. Der Bildsensor einer Kamera hat immer eine Grundempfindlichkeit, meist ISO100 oder ISO200. Ein Objektiv hat eine maximal mögliche Blendenzahl. Es gibt deshalb keine Möglichkeit weniger Licht in die Kamera zu lassen, als die Blende ganz zu zumachen und die niedrigste ISO-Stufe einzustellen. Die Belichtungszeit kann nicht beliebig lang eingestellt werden, denn irgendwann wird jedes Foto überbelichten aus den genannten Limitierungen. Die einzige Möglichkeit weniger Licht in die Kamera hineinzulassen, um eine lange Belichtungszeit zu erreichen, ist der Graufilter. Dieser schluckt Licht und verringert damit effektiv die Intensität des einfallenden Lichts. Es ist deshalb möglich auch bei viel Licht, das heißt am Tag, eine lange Belichtungszeit einzustellen. Dieser Effekt lässt sich eben nicht mit Photoshop generieren, denn es gibt keine Möglichkeit die Veränderung realer Objekte im Foto im Laufe der Zeit durch Photoshop sinnvoll nachzuempfinden. In der Wetterfotografie ist das Einsatzgebiet:

  • Ziehende Wolken
  • Fotografieren von Blitzen Möchte man die Bewegung von Wolken in einem Foto sichtbar machen, muss man bei Tageslicht eine lange Belichtungszeit einstellen. Dies ist nur durch einen Graufilter zu erreichen.

Wann setze ich welchen Graufilter ein? Die Anzahl der verschiedenen Graufilterstufen ist so verschieden, wie die Lichtintensität in der Natur verschieden ist und natürlich, welche Belichtungszeiten der Fotograf bei dem jeweiligen Licht einstellen möchte.

Verwischte Wolken mit ND1000
Auflösung und Blendenzahl

Zum Verständnis für den Graufilter ist die Auflösung wichtig, die durch das Objektiv erzeugt wird. Oftmals im Umlauf ist eine wage Vorstellung, dass bei großen Blendenzahlen die Auflösung des Objektivs abnimmt. Dies stimmt und ist wesentlich dramatischer, als sich das so mancher vorstellen würde. Die untere zeigt die Auflösung eines Objektivs nach Blendenzahl. Bei geschlossener Blende beträgt die Auflösung nur noch 50% des Maximalwerts und ist damit gar nicht schlechter als eine Handykamera. Erstaunlich, oder?

Mit dem Einsatz von Graufiltern hat dies viel zu tun. Wenn Sie eine große Blendenzahl einstellen, um wenig Licht in die Kamera zu lassen, verlieren Sie enorm an Bildqualität. Das Ziel sollte sein, eine Belichtungszeit zu wählen, die man für das Motiv benötigt um die Bewegung sichtbar zu machen. Anschließend muss die Blende entsprechend auf die ideale Blende von z.B. f/5.6 gestellt werden. Nun ist ein Graufilter passender Stärke zu wählen, damit die Belichtungszeit erfüllt wird.

Die Tabelle gibt eine Übersicht über verschiedene Stärken der Graufilter und die resultierenden Belichtungszeiten. Wenn Ihr also ein 1000€ Objektiv verwendet und die falsche Blende gezwungener Maßen einstellt, weil Ihr nicht noch 100€ in den passenden Filter investiert habt, hat das Objektiv nur noch den Wert einer Handykamera. Es ist also enorm wichtig, den richtigen Filter zu wählen.

Belichtungszeit und Filterstärke

Blitze werden sehr hell, so dass es manchmal notwendig ist auf große Blendenzahlen abzublenden. Um dies zu umgehen, setze ich Graufilter ein. Im Tutorial auf meiner Homepage zum Blitze fotografieren findet Ihr mehr. Ich verzichte auf große Blendenzahlen aus dem Grund, dass die Auflösung abnimmt, stattdessen verwende ich schwache Graufilter (ND8 und ND32).

Ich empfehle, dass in jedem Sortiment eines Wetterfotografen ein ND8, ND64 und ND1000 Filter zu finden ist.

Polarisationsfiter

Der Polarisationsfilter ist nicht in Photoshop nachzuempfinden, es gibt keine Möglichkeit die physikalisch generierte Information künstlich zu erstellen. Der Filter schluckt Licht, dass in einer bestimmten Richtung Polarisiert ist. Hier empfehle ich es für ein genaues Verständnis diesen Artikel zu lesen: https://en .wikipedia.org/wiki/Polarization_(waves). Da der Bildsensor in der Kamera keine Information über die Polarisationsrichtung der auf ihn treffenden Photonen speichert, gibt es eben keine Möglichkeit, den Effekt in Photoshop zu berechnen.

Polarisationsfilter bei blauem Himmel

Grundsätzlich lässt sich der Polarisationsfilter so zusammenfassen, dass dieser Glanz im Bild entfernt. Wasseroberflächen, Glanz auf Blättern, nasser Boden, Glasscheiben etc. und vor Allem für die Wetterfotografie interessant, dass er den blauen Himmel durch die Rayleigh Streuung 2, die polarisiertes, blaues Licht erzeugt, kontrastreicher macht. Für das Fotografieren von Wolkenstrukturen ist der Polarisationsfilter demnach sinnvoll und erhöht etwas den Kontrast.

Der Filter muss richtig eingestellt werden, aus diesem Grund ist er drehbar gelagert. Am besten ist der Effekt im Livemodus der Kamera zu sehen. Dreht einfach am Filter und beobachtet das Livebild, bis der gewünschte Effekt eintritt.

Ich empfehle einen Polarisationsfilter zu verwenden.

Natural Night Filter/Astrofilter

Dieser Filter ist kein Wundermittel, das die Lichtverschmutzung vollständig entfernt. Er bringt leichte Verbesserung. Es ist weiterhin notwendig einen Ort aufzusuchen, an dem kaum Lichtverschmutzung vorherrscht. Lichtverschmutzung wird durch künstliche Lichtquellen erzeugt, diese Lichtquellen haben im Gegensatz zum Sonnenlicht kein kontinuierliches Spektrum, es sind wie in ?? zu sehen einzelne Peaks vorzufinden. Der Astrofilter ist so ausgelegt, dass er genau im Wellenlängenbereich dieser Peaks kein Licht durchlässt. Raffiniert, oder? Er filtert also tatsächlich etwas Lichtverschmutzung aus dem einfallenden Licht heraus.

Ich kann den Filter deshalb für die Fotografie von Wetterphänomenen am Nachthimmel empfehlen.

Spektrum der Lichtverschmutzung

Pflege und Aufbewahrung von Filtern

Pflegt Ihr Eure Filter richtig, habt ihr jahrelang Freude daran und könnt diese ohne Probleme bei einem Wechsel des Kamerasystems mitnehmen. Reinigen solltet Ihr die Filter wie ein Objektiv. Zunächst mit dem Blasebalg den groben Staub weg blasen, danach mit einem Pinsel den feinen Staub. Zum Schluss mit einem Microfasertuch die Fingerabdrücke weg. Viel wichtiger ist die richtige Aufbewahrung.

Während dem Transport in der Fototaschen treten Schwingungen auf, der Filter ist in Bewegung. Staub auf dem Filter kann zu Mikrokratzern führen, die über die Jahre die Oberfläche zerstören. Um dies vorzubeugen gibt es nur eine einzige Möglichkeit, einen Steckfilter unbeschadet zu transportieren. Dies ist eine Hardcase Filtertasche, in der die Filter frei in der Luft hängen und eben einige Millimeter Platz zwischen den Filterflächen und dem Material der Tasche ist. Es kann sich auf diese Weise Staub auf dem Filter befinden, welcher während dem Transport nicht auf der Oberfläche kratzt. NiSi bietet diese Taschen an. Ihr seht, wie die Steckfilter durch feine Streben von einander getrennt sind. Dadurch befindet sich schützende Luft zwischen den Filtern und diese werden nicht beschädigt.

Wetterfotografie Filterset
“Zusammen mit meinem Partner NiSi habe ich ein Wetterfotografie Starterset zusammengestellt. Dieses Set besteht aus den von mir am häufigsten verwendeten Filtern und deckt 90% der Filtereinsätze ab.”

Hier gelangt Ihr zum Set: Wetterfotografie Filterset

Workshops mit Leihfiltern

In Frankfurt am Main gibt es wieder Filterworkshops von mir! Für den Kurs braucht Ihr keine Filter, Ihr erhaltet mein Wetterfotografie Set während dem Kurs leihweise. Ihr könnt alle Filter ausprobieren und im Anschluss entscheiden, ob Ihr Filter für Eure Fotografie benötigt.

Termin 1: 14.04.2020 18:00 – 22:00 Uhr
Termin 2: 17.06.2020 19:00 – 23:00 Uhr

Hier gelangt Ihr zu den Kursen auf meiner Seite: Filterfotografie Frankfurt

NiSi Deutschland unterstützt diesen Fotoworkshop mit den wichtigsten Filtern und Filterhaltern.

Bastian Werner empfiehlt:

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  • ND 100mm System

    ND Filter 100x100mm ND1000 (3.0) 10 Blenden

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  • ND 100mm System

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