Chantal Lichtenberg, die unter dem Pseudonym Bonsai Fotografie arbeitet hat Ihre Begeisterung in der Landschaftsfotografie gefunden und ist die erste weibliche NiSi Ambassadorin in Europa. Sie inspiriert uns mit Bildern, die in ihrer Bildsprache meist romantisch wirken. Gerade im Bereich der Seascape-Fotografie zeigt Sie immer wieder ihr fotografisches Können und ihr Feingefühl für die richtige Belichtungszeit. Kreativität und der Spaß an der Fotografie stehen bei Ihr an höchster Stelle und treiben Sie an.


NiSi: Möchtest du uns etwas über deinen Beruflichen Werdegang vor/neben der Fotografie erzählen?

Chantal L.: Ich bin gelernte Mediengestalterin und habe mehrere Jahre in Werbeagenturen gearbeitet, außerdem konnte ich ein paar Jahre den Beruf des Visual Mer­chan­di­se­rs ausüben. Beides sehr visuelle und kreative Berufe. Nebenbei habe ich mit der Fotografie begonnen und mir wurde schnell klar, dass es für mich persönlich keine kreativere Arbeit gibt, als die Natur in ihren schönsten Farben und Facetten fotografisch festzuhalten. Und irgendwann hatte ich begriffen, dass ich nur glücklich werde wenn ich mich voll und ganz auf diese Leidenschaft fokussieren kann. Also weg mit dem alten Job, her mit dem Teilzeit Job, der mir zwar weniger Geld bringen würde, aber mehr Zeit. Und Zeit ist nun einmal unbezahlbar. Mittlerweile habe ich mir neben diesem Job ein kleines Business aufgebaut, mit dem Verkauf meiner Bilder, Beratung auf Fotomessen und natürlich meine Arbeit für NiSi. Ich bin ein Mensch, der sich nur kreativ entfalten kann, wenn er genug Raum und Zeit dafür hat. Erst dann werden meine Arbeiten in meinen Augen richtig gut. Ich denke ich bin auf einem guten Weg dorthin. 

NiSi: Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Chantal L.: Das Reisen hat mich mit der Fotografie in Berührung gebracht. Da ich eine etwas längere und größere Reise geplant hatte, wollte ich die Länder und Orte qualitativ anständig festhalten. Also kaufte ich mir meine erste Kamera, die Canon 550D. Und da ich alles richtig machen wollte, hatte ich natürlich auch Stativ und ein kleines Equipment dabei. Damals merkte ich wie interessant eine längere Belichtungszeit sein kann und wie man diese nutzen kann um ein Bild völlig anders ausschauen zu lassen, als man es auf den ersten Blick mit seinen Augen wahrnimmt. Das fand ich irgendwie magisch.  Mit der Zeit lernte ich Orte mit meinem fotografischen Auge zu sehen und erkannte, welche verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten ein Ort zu bieten hat, je nach Wetter, Belichtungszeit und Tageszeit. Das fand ich aufregend. Von da an wurde die Fotografie Arbeit. Aber zu einer Arbeit die ich mehr als Spaß, als als wirkliche Arbeit genießen kann. Reisen, Scouting, Wandern, Planung, aber auch fremde Gerüche, beeindruckende Landschaften, neue Orte, neue Freunde.

NiSi: Warum hast du dich für die Landschaftsfotografie entschieden?

Chantal L.: Da gibt es viele Gründe. Zum einen sicherlich zum Ausgleich zu meinem Alltag. Stress, viele Menschen, Hektik, all das passt nicht in meine Vorstellung von einem erfüllten Leben. Großstadt ist für mich eher abschreckend. Aber wenn ich an einem Ort stehe, der mich begeistert, das Licht mir ein Geschenk macht, die Farbe des Himmels surreal erscheint, der Wind im Gesicht, ich die Natur spüren kann, vergesse ich alles um mich herum. Nichts erscheint wichtiger, als den Moment so festzuhalten wie er es verdient hat. Ein anderer Grund ist auch der Nervenkitzel. Je nach Situation muss man schon auf sich aufpassen, gerade bei Seascape-Aufnahmen sollte man sehr aufmerksam vorgehen, je nach Location. Und wenn dann das Wetter an solchen Locations noch aufdreht, dann macht es erst richtig Spaß.

NiSi: Was war dein beeindruckendstes Erlebnis im Bezug auf die Fotografie?

Chantal L.: Keine leichte Frage. Für mich steckt in jeder Aufnahme natürlich auch eine Geschichte. Aber es gibt die ein oder andere Location, hinter der mehr Emotionen stecken. Eine wundervolle Erinnerung ist mein erster Besuch einer Eishöhle in Island gewesen. Nicht nur die Wanderung über den Gletscher war atemberaubend, der Ort selbst war in meinen Augen an Schönheit und Perfektion unübertroffen. Diese Farben, von Türkis bis hin zu tiefstem Blau, alle Schattierungen waren vorhanden, ein tolles Gefühl in dieser Höhle aus Eis zu stehen und die Strukturen und Farben auf sich wirken zu lassen. Ich erinnere mich immer noch an das knirschende Geräusch meiner Spikes, das bei jedem Schritt hallte. Und dann natürlich Hawaii, das Kontrastprogramm zu Island, völlig anders, sattes Grün, Urwald, lange Strände. Dass was beide verbindet sind die Vulkane und ihre Landschaften. Auf Maui war ich zum Sonnenaufgang alleine an einer Lavaröhre (Nakalele Blowhole), die Wasser empor stößt durch die Strömung des Meeres. Das Wetter war alles andere als einladend. Es war stürmisch, es regnete bereits weiter draußen auf dem Pazifik und ich wusste nicht ob es auch hier anfangen würde zu regnen. Mehrere Schilder auf der Strecke warnen hier davor, nicht zu nah an das Blowhole zu gehen, Lebensgefahr. Einige Kreuze am Weg, für die, die es versucht haben. Ein bisschen musste ich mich der Lavaröhre doch nähern, um an ihr vorbei zu kommen damit ich in Richtung Sonnenaufgang fotografieren kann. Am Ende stand ich erleichtert auf einer Anhöhe aus Lavagestein mit Blick zum Sonnenaufgang. Der Wind tat sein übliches, trieb mir die Gicht ins Gesicht, die Röhre spuckte ihre Wasserfontäne aus. Am Ende war ich paniert mit Meerwassersalz, aber sehr glücklich mit meinen Aufnahmen und dem Erlebten. 

Welche Tipps würdest du anderen Fotografen mit auf den Weg geben?

Geht raus, entdeckt Orte und versucht diese mit eurem eigenem fotografischen Auge zu sehen. Investiert nicht zu viel Zeit in Foren und Blogs, sondern verfeinert eure Technik in der Praxis vor Ort. Und vor allem: Genießt den Moment, wenn sich die Mühe gelohnt hat und man auch noch mit «dem Licht» belohnt wird.

NiSi: Welches Motiv fehlt dir noch?

Chantal L.: Lava! Fließende Lava. Leider wurde es mir auf Hawaii nicht gegönnt, aber ich hoffe ich werde noch die Gelegenheit dazu bekommen, dieses Naturereignis festzuhalten. 

NiSi: Wie würdest du selbst deinen fotografischen Stil beschreiben und wie hast du ihn entwickelt?

Chantal L.: Einige haben meinen Stil auch schon als romantisch betitelt. Das gefällt mir ganz gut. Vielleicht macht es doch einen Unterschied ob eine Frau hinter der Kamera steht oder ein Mann. Bilder können ja bekanntlich sprechen. Wie ich zu meinem Stil kam, kann ich nicht sagen. Natürlich wird man immer unterbewusst oder bewusst von anderen Fotografen inspiriert. Mein Stil hat sich eher unterbewusst mit der Zeit entwickelt und wird sich bestimmt auch noch weiter entwickeln. 

NiSi: Welches Equipment verwendest du?

Chantal L.: Canon EOS 6D, Canon EF 16-35 mm f2.8 L USM, Laowa 12mm f/2.8 Zero-D, Canon EF 70-200mm f2.8 L USM, Canon 50 mm f1.4, Meyer-Optik-Goerlitz Primoplan 75 mm / f1.9, DJI Mavic 2 Pro, NiSi 100mm System, und immer ein gutes Stativ.

NiSi: Erzähle uns etwas über deinen Workflow.

Chantal L.: Mein Workflow fängt eigentlich schon lange vor dem Moment an, an dem ich an meiner Location stehe. Ich lasse mich sehr oft von Dokumentationen inspirieren, dass hat mich schon an Orte wie Dursey Island (eine fast unbewohnte Insel in Irland), Lanzarote (beeindruckende Lavalandschaften) oder Elba (italienische Insel) gebracht. Destinationen die noch nicht abfotografiert sind und noch entdeckt werden können. Aber natürlich zieht es mich auch zu den „Top“-Destinationen, die bei Fotografen beliebt sind. Wenn ich mich dann für einen Ort entschieden habe, beginnt die detaillierte Planung. Google Earth, 500px, Instagram und auch Google Bilder können sehr behilflich sein. Also scanne ich schon Wochen vorher alles ab, versuche mir mehr Informationen durch Reiseberichte und Dokus anzueignen und erstelle eine Karte mit all den Orten, die ich interessant finde. Natürlich ermittele ich den Sonnenstand zum Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Und je nach Location auch Tide-Stand. Anreisedauer und alles andere Wichtige wird dann auch notiert und der nächste Step ist dann die Abreise. Man kann sagen ich bin ziemlich organisiert. Aber vor Ort bin ich auch immer offen für völlig andere Orte, die man durch Scouting, Erzählungen oder eben durch den lieben Zufall findet. 

NiSi: Was ist in deinen Augen das perfekte Foto?

Chantal L.: Das perfekte Foto ist für mich ein Bild, das es schafft meine Aufmerksamkeit für einen längeren Zeitraum auf sich zu lenken. Ein Bild, das Emotionen transportiert und mich für einen kleinen Moment mit an den Ort nimmt, an dem es entstanden ist.

Vielen Dank für das Interview Chantal.

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