Wie erstelle ich Langzeitbelichtungen während des Tages?

Wie erstelle ich Langzeitbelichtungen während des Tages?

Langzeitbelichtungen sind ein Thema, das uns sehr am Herzen liegt. Wir haben im vorherigen Beitrag bereits praktische Tipps und Informationen zu Graufiltern und ihrer Verwendung beschrieben, und heute werden wir etwas ins Detail gehen: Langzeitbelichtungen während des Tages. Hier gehen wir speziell auf die technischen Aspekte ein, um bei hellem Licht zu fotografieren, anstatt bei Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang.

Dieses Equipment empfehlen wir für Langzeitbelichtungen bei Tag

Einige Dinge die nicht fehlen dürfen liegen auf der Hand, wie ein (stabiles) Stativ, die Kamera und das Objektiv. Um Langzeitbelichtungen zu erstellen sollte die Kamera entweder auf den Manuellen-Modus oder den BULB-Modus eingestellt werden, abhängig von der gewünschten Verschlusszeit. Auch ein Fernauslöser ist immer ein sinnvolles Hilfsmittel. Diese gibt es in sehr einfachen Ausführungen oder aber auch als Fernbedienung mit vielen Funktionen wie dem Timer, der für die präzise Einstellung von Verschlusszeiten sowie für Zeitraffer nützlich ist.

ND-Filter für Langzeitbelichtungen

ND-Filter sind unerlässlich, da sie es Ihnen ermöglichen, die Lichtmenge, die den Kamerasensor erreicht zu verringern und dadurch die Belichtungszeiten kreativ zu wählen. Im Allgemeinen verwenden wir ND8 / ND64 / ND1000-Filter, die das Licht um jeweils 3/6/10 Blendenstufen reduzieren. Diese Filter werden jedoch nur in subtileren Lichtsituationen wie bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang verwendet. Bei der Wahl zwischen diesen Filtern, können wir selbst bei Verwendung des ND1000, bei hellem Tageslicht keine Langzeitbelichtung von vielen Sekunden oder Minuten erzielen. Glücklicherweise gibt es auf dem Markt extreme ND-Filter mit Intensitäten weit über 10 Blenden. NiSi hat beispielsweise den 100x100mm ND32000-Filter mit 15 Blendenstufen im Produktkatalog (auch als 150x150mm Graufilter und als Schraubfilter erhältlich) bis hin zum 20 Blenden starken ND1000K Graufilter. Rechteckfiltersysteme werden von vielen Hobby- und Profifotografen als unverzichtbar angesehen, da Sie problemlos mehrere Filter gleichzeitig verwenden können (ND-Filter + GND-Filter + Polfilter). Wenn Sie einen nicht-vignettierenden Filterhalter haben (wie unser V6 und V5-Pro), können Sie auch bei Tageslicht lange Belichtungen mit Polarisationsfilter + ND (10, 15 oder 20 Stop) + GND-Filter realisieren, ohne Vignettierungsprobleme zu haben, selbst bei 16/17mm Brennweite an Vollformat-Kameras.

Wie erstelle ich Langzeitbelichtungen während des Tages?
130 Sekunden – f/14 – ISO 100 – Canon 6D – Canon 16-35mm – NiSi V6 Filterhalter mit Landscape CPL – NiSi ND32000 15 Blenden – NiSi GND8 0.9 Soft 3 Blenden 100x100mm
Foto: Chantal Lichtenberg

Technik für Langzeitbelichtung

Die grundlegende Technik ist praktisch identisch mit der in unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung gezeigten. Der Vollständigkeit halber fassen wir es aber noch einmal kurz zusammen:

  • Als Erstes sollten Sie sich die Zeit nehmen, Ihre Bild-Komposition zu finden. Fokussieren Sie Ihr Motiv entweder manuell oder auch mit Autofokus (Bei Tag meist problemlos möglich). Auf diese Weise vermeiden Sie es, den Fokuspunkt nach dem Hinzufügen des ND Filters einstellen zu müssen, während der Sucher stark abgedunkelt ist. Stellen Sie nach dem Fokussieren sicher, dass der Autofokus (AF, AF-S, AF-C oder ähnliche Abkürzungen, je nach Kameramodell) deaktiviert ist und Sie sich im manuellen Modus (MF) befinden. Machen Sie eine Testaufnahme mit Polarisationsfilter und Grauverlaufsfilter, falls verwendet, vergewissern Sie sich, dass Sie mit der Belichtung zufrieden sind, und merken Sie sich die Verschlusszeit. Die Testaufnahme muss im M-Modus oder A-/Av-Modus durchgeführt werden. Dabei muss der ISO-Wert für den größten Dynamikbereich und das geringste Rauschen sowie eine optimale Blende für Ihr Objektiv gewählt werden, normalerweise liegt diese zwischen f/8 und f/14. Darüber hinaus ermöglicht die geschlossene Blende, die gesamte Landschaft im Fokus zu haben. Nehmen wir an, dass die Testaufnahme mit einer Verschlusszeit von 1/250 Sekunde gut belichtet ist. Jetzt können Sie den ND-Filter hinzufügen. Nehmen wir an, Sie möchten mit dem 10 Blenden ND1000 beginnen. Um die neue Belichtungszeit zu berechnen, muss man 10 Blenden heller belichten. Bei der Berechnung können mindestens drei Methoden angewendet werden:
    • Die erste Methode besteht darin, die Belichtungszeit so oft zu verdoppeln, wie die vom Filter absorbierten Blendenstufen. In diesem Fall verdoppeln wir sie zehn mal. Ausgehend von 1/250″ -> 1/125″ -> 1/60 “-> 1/30″ -> 1/15″ -> 1/8″ -> 1/4″ -> 1/2″ -> 1″ -> 2” -> 4″
    • Oder wir erhalten die Zeit in Sekunden durch eine Bruchrechnung, 1/250″ ist 0,004″, wir multiplizieren mit dem ND-Wert, der in diesem Fall 1000 ist (oder 1024, um genau zu sein): Wir erhalten genau 4 Sekunden (0,004 x 1000 = 4)
    • Die dritte Methode besteht darin, eine gedruckte Tabelle dabei zu haben oder eine Smartphone App zu verwenden (zum Beispiel PhotoPills, die auch viele andere nützliche Funktionen bietet). Wenn Sie eine Tabelle verwenden möchten, können Sie die NiSi-Zeitberechnungstabelle für ND-Filter herunterladen.
  • Jetzt ist es Zeit, die berechnete Verschlusszeit einzustellen und die Aufnahme zu überprüfen. Wenn das Bild zu dunkel ist, erhöhen wir die Zeit, wenn es zu hell ist, reduzieren wir sie. Es gibt immer Produktionstoleranzen und der Filter kann etwas dunkler oder heller sein, aber wir können die Zeit immer in einer zweiten Aufnahme anpassen. Denken Sie auch daran, dass sich das Licht bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang schnell ändert. Wenn zwischen der Testaufnahme und der eigentlichen Aufnahme einige Zeit vergeht, ist es gut möglich, dass die berechnete Verschlusszeit nicht optimal passt.

In unserem Beispiel beträgt die resultierende Belichtungszeit nur 4 Sekunden, wenn wir die Bewegung der Wolken darstellen oder bestimmte Architekturaufnahmen erstellen möchten, bei denen Menschen verschwinden sollen, müssen wir einige Minuten lang belichten. In diesem Fall wird die Verwendung eines Filters mit 15 oder mehr Blenden dringend empfohlen. Wenn wir im vorherigen Beispiel einen 15-Stop-Filter (ND32000) verwendet hätten, wäre die resultierende Zeit 128 Sekunden (2 Minuten und 8 Sekunden) gewesen, bei Verwendung des ND1000k 20-Blenden „Black Hole“ ND-Filter läge die Verschlusszeit sogar bei 4000 Sekunden, das sind 1 Stunde, 6 Minuten und 40 Sekunden! Der 20-Stufen-ND-Filter wird definitiv in Situationen mit starkem Sonnenlicht empfohlen, in denen die Belichtung normalerweise bei 1/500″ oder kürzer liegt. Um mit einem solchen Filter weniger lange zu belichten, kann man z. B. die Blende öffnen oder die ISO-Empfindlichkeit erhöhen.

Weitere Infos zur Verwendung von ND Filtern findest du auch hier: Wann verwende ich welchen ND-Filter und welche Intensität brauche ich?

NiSi 20 stop ND1000K black holeNiSi 20 stop ND1000K

1300 Sekunden – f/8 – ISO 200 – Nikon D800 – Nikkor 16-35 f/4G ED VR – NiSi V6 Filterhalter – NiSi ND1000k „Black Hole“ 20 Blenden – Landscape CPL Filter (beim V6 Filterhalter Kit inklusive) – NiSi GND4 (0.6) 2 Blenden Soft 100x100mm (Foto: Alessio Andreani)

Wir hoffen dieser Beitrag konnte Ihnen weiterhelfen.

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